POKLONG ANADING, CLEMENS HOLLERER | sous les pavés, la plage

16.09.2016–15.10.2016


 

sous le pavés, la plage | Text von Margareth Otti, 2016

 

Poklong Anading und Clemens Hollerer und verbindet das Interesse an den Straßen der Stadt. Ihre Arbeiten interpretieren Urbanität punkig, bunt und poetisch. Gezeigt werden wesentliche Stationen und die vielfältigen künstlerischen Methoden ihres Werks: Zeichnungen, Collagen, Skulpturen und Installationen aus besonderen Materialien, die Anadings und Hollerers prozessorientiertes Arbeiten und ihre Rolle als kritische Beobachter und Sammler dokumentieren.

Anadings Arbeiten, die auch in der weltbekannten Sammlung des Solomon R. Guggenheim Museums in New York vertreten sind, spielen mit urbanen Phänomenen der globalen Marktwirtschaft. In der Serie untitled (landmark), einer 2006 begonnenen Serie von Fotografien, dokumentiert er die Reste der Textilproduktion auf den Straßenbelägen Manilas. Überschüssige Stoffe philippinischer Textilfabriken werden zu trapos verarbeitet; kreisrund vernähte Putztücher, die überall verkauft werden und im Stadtbild als bunte, übergroße Konfetti auftauchen. Anading fotografiert die runden Stoffreste auf der Straße liegend. Vor dem Asphalthintergrund wirken sie wie ein fröhlicher Layer, der über der Stadt liegt und der die kritische politische Situation auf den Philippinen ad absurdum führt. Als objet trouve, nahezu wertloses Produkt an sich gewinnbringender Näharbeit, liegt das trapo seinem Zweck und Zielort entledigt als urbane Partydekoration auf der Straße.

Miracle Healing and Other Hopeful Things ist eine Serie von haptischen Skulpturen aus trapos: Vielfarbige, weiche, gepolsterte Bogen, fröhlich und grotesk zugleich. Anading reizt die materiellen Möglichkeiten der trapos, die an biegsamen Stahlstangen fixiert und von Farbbehältern oder anderen Gebinden getragen werden, durch statische Experimente aus. Trapo-Spinnen, Schlangen, Kerzen, Bogen, Schlauche, Blumen und Girlanden wandern überdimensional durch den Galerieraum. Das trapo, das im Oberfluss vorhandene Gebrauchsobjekt von geringem monetären Wert, feiert seine Existenz: Dem kapitalistischen Kreislauf der Textil-Billigproduktion und dem Mülleimer entkommen, zelebriert es sein umgedeutetes Dasein im White Cube der Galerie und legt den kapitalistischen Kreislauf herein. Das ist vielleicht das Wundermittel – miracle healing – gegen den bedenklichen Zustand der Welt – ausbrechen, lachen und einen anderen Weg einschlagen. Die Skulpturen sind freundlicher Ausdruck des Paradoxons, dass sich der Zweck der Kunst durch ihre Zwecklosigkeit bestimmt (was nicht bedeutet, dass Kunst nicht gesellschaftliche und politische Aufgaben erfüllen kann): Obwohl ohne Zweck, wie schon Immanuel Kant festhielt, ist die Kunst für sich selbst zweckmäßig. An die Wirkung der Kunst zu glauben, bedeutet, dem Nutzen ihrer Nutzlosigkeit zu vertrauen. Dieses Vertrauen in eine ästhetische Erfahrung ist besonders in einer neoliberal-postkapitalistischen und gnadenlos zweckorientierten Gesellschaft unentbehrlich.

Clemens Hollerer präsentiert Skulpturen und Collagen auf Papier, die das Interesse des Künstlers an der formalen und sinnlichen Wirkung von Straßenzügen und städtischem Gefilde unterstreichen. Die 2006 entstandenen Collagen basieren auf Fotografien von Städten der Beneluxstaaten und zeigen in stilsicherer Reduktion Raumsituationen: schmale Ecken, scharfe Kanten, spitze Winkel, weite Flachen. Diese Arbeiten bildeten den Ausgangspunkt für Skulpturen aus Aluminium und Lack, welche die grafische Abstraktion ins Räumliche rückübersetzen. Hollerers Ausgangstechnik ist die Fotografie, deren unmittelbare und spontane Wirkung sich in seine Arbeiten überträgt. Eine über viele Jahre gewachsene Sammlung von Aufnahmen fungiert als Archiv für das urbane Formenvokabular, das in verschiedene Techniken – Malerei, Collage, Zeichnung, Skulptur und Installation – übersetzt wird. Hollerer erforscht den Raum des Alltags: durchschrittene Straßen, das Um-die-Ecke-biegen, das Überqueren, sich Orientieren in Kubatur, Schlendern über Platze. In den Collagen von 2006 werden Stadtfotografien in eine klare grafische Sprache übersetzt. Auf Millimeterpapier linden sich die geometrischen Linien der zivilisatorischen Meisterleistung Stadt präzise abstrahiert wieder.

Das Millimeterpapier verweist auf die Idee von Architektur als Prozess: Entwerfen, Planen und zu Papier bringen liegt dem Gebauten zugrunde. Was einst gezeichnet und in Architekturen umgesetzt worden ist, erlebt Hollerer erst durchwandernd und setzt das Erlebnis in eine Fotografie um. Diese wird als geometrische Collage wieder zurück auf Papier gebracht, als ein durch das bildliche Erinnern geprägter Neuentwurf. Gegebenenfalls verwandeln sich die Fotos wieder ins Dreidimensionale, in eine von räumlichem Wahrnehmungen und Erinnern geprägte Skulptur. Individuelle körperliche Raumerfahrung überlagert den Maßstab und die metrischen Einheiten. Die Collagen analysieren den erlebten Raum und nehmen den Bettachter mit auf eine visuelle Reise. Sie erinnern an die Stadtwanderungen und die Plane des dérives der Situationistischen Internationale, der französischen Künstlergruppe der 60er-Jahre, welche die räumliche Wahrnehmung der Stadt und der Straße zur Kunstform erhob. Ihr utopisches Ziel war eine grundlegende Umgestaltung der Kunst, des Alltagslebens und der gesellschaftlichen Normen. Die bessere Zukunft warte unter dem Straßenpflaster: sous les paves, la plage.

 

KÜNSTLER


 

Poklong Anading

1975 geboren in Manila (Philippinen), lebt und arbeitet in Manila.
1995-1999 University of the Philippines, Quezon City (RP)

 

Ausstellungen und Projekte (2000-2006, Auswahl)

2016
Architecture Biennale 2016, 15th International Architecture Exhibition, Philippine Pavilion: Muhon: Traces of an Adolescent City, Palazzo Mora, Venice (IT)
The Shadow Never Lies, curated by Joshua Jiang and Mark Nash, Minsheng Art Museum, Shanghai (CN), Afterwork, Para Site, Hong Kong (HK), Sidereal Message, Taro Nasu, Tokyo (JP) (solo), Encounter and Departure, Athr Gallery, Jeddah (SA) (solo)

2015
5th Asian Art Biennial: Artist Making Movement, National Taiwan Museum of Fine Arts, Taichung (TW), Video Spotlight: Philippines, Asia Society, New York (US), Stop Look Listen, 1335MABINI, Manila (RP), Roppongi Art Night, curated by Mami Kataoka, Tokyo (JP), Urban Canyon, 1335MABINI, Manila (PH) (solo), Hit or miss is a hit, Alliance Francaise de Manille, Makati (PH) (solo)

2014
No Country, Contemporary Art for South and Southeast Asia, Center for Contemporary Art, Singapore (SG), The Bald Sopranos, Gallery Exit (HK), What does it all matter as long as the wounds fit the arrows, Cultural Center of the Philippines, Manila (PH), Brave New World, Metropolitan Museum, Manila (PH)

2013
Copy Select All, Selasar Sunaryo Art Space, Bandung (RI) (solo), Common Ground Barrier, Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz (AT), Welcome to the Jungle, Yokohama Museum of Art, Nishi-ku, Yokohama (JP), Welcome to the Jungle, Contemporary Art Museum, Kumamoto (JP), No Country: Contemporary Art for South and Southeast Asia, Solomon R. Guggenheim Museum, New York (USA), Move on Asia, Video Art in Asia 2002-2012, ZKM Zentrum fur Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe (DE), Sharjah Biennal 11: Re:emerge, Sharjah (UAE), every water is an island, Bankok University Gallery, Bankok (TH) (solo)
Manila Vice, Musee International des Artes Modestes, Sete (FR), Art Death, 1335Mabini, Ermita, Manila (PH) (solo), Movement No.2 – Moving on Asia: Towards a New Art Network 2004-2013 – Wellington City Gallery, Wellington (NZ), Coup de sac, Musee de design et d’arts appliques contemporains, Lausanne (CH), locus, Silverlens, Gillman Barracks, Singapore (SG) (solo), Glitch in the System, The 8th Vladivostok Biennale of Visual Arts (RU)

2012
pocket coffin, Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz (AT) (solo), Gwangju Biennale: Roundtable, Gwangju, South Korea (KR), Phantoms of Asia: Contemporary Awakens the Past, curated by Mami Kataoka, Asian Art Museum, San Francisco (CA/USA)

2011
Miracle healing and other hopeful things, MO_space, Makati City (PH) (solo), The Sta. Mesa Diaries, Centre for Contemporary Photography, Victoria (AUS), Complete and Unabridged, Part II, Osage Art Foundation, Hong Kong (HK)

2010
Minimum Yields Maximum, Monte Vista Projects, Los Angeles/California (USA), There’s Money in Spending, Pablo Gallery, Fort Bonifacio (PH) (solo), The Unnamable, Manila Contemporary, Makati City (PH)

2009
Thrice Upon a Time: A Century of Story in the Art of the Philippines, Singapore Art Museum, Singapore (SG), This & That, Triple Base Gallery, San Francisco/California (USA), Drunken Revelry, Ateneo Art Gallery, Ateneo de Manille, Quezon City (PH) (solo), Tattooed Heart, Mag:net Gallery Katipunan, Quezon City (RP) (solo), Untitled (Landmark), West Gallery, Quezon City (RP) (solo), Magnetic Power, Jongno-Gu, Seoul (ROK), Jakarta Biennale 2009: Fluid Zone, Jakarta, Indonesia (RI), Some Rooms, Osage Gallery, Hong Kong (HK)

2008
Random Faults & Root Cause, Finale Art File, Makati City (RP) (solo), Fallen Map, Mag:net Gallery, Quezon City (RP) (solo), Beyond Frame, Philippine Photomedia, UTS Gallery, University of Technology Sydney, Sydney (AUS), Galleon Trade: Bay Area Now, 5th Edition, Yerba Buena Center for the Arts, San Francisco/California (USA), Coffee, Cigarettes and Pad Thai, Contemporary Art in Southeast Asia, Eslite Gallery, Taipei, Taiwan (RC), Sentimental Value – Philippine Contemporary Art, Art Center/Soka Contemporary Space, Beijing (RC), Room 307: Inkling, Gutfeel & Hunch, National Art Gallery, Manila (RP)

2007
Untitled (Landmark), Mag:net Gallery, Quezon City (RP) (solo), Light Suffers if there’s no Place to Fall from, Finale Art File, Makati City (RP) (solo), Between Intersections, Ateneo Art Gallery, Ateneo de Manille, Quezon City (RP) (solo), Shoot Me, Mo_space Gallery, Bonifacio Global City (RP)

2006
Anonymity, The Cross Art Projects, Sydney (AUS) (solo), Faulty Wings, Future Prospects, Quezon City (RP) (solo), Blindspot, Mag:net Gallery, Makati City (RP) (solo), Manila Envelope, Worth Ryder Gallery, Berkeley/California (USA), Metropolitan Mapping, Hongkong Cultural Centre, Hongkong (HK)


 

Clemens Hollerer

1957 geboren in Bruck/Mur, Österreich, lebt und arbeitet in Bad Gleichenberg
2001-2005 Euregio Kolleg für künstlerische Fotografie, Kefermarkt, Österreich
2006-2007 HISK – Higher Institute for Fine Arts, Antwerpen/Gent, Belgien

 

Ausstellungen und Projekte (2000-2006, Auswahl)

2016
Ansammlung – Sammelsurium – Sammlung, Galerie Ruth Leuchter, Dusseldorf, D
sous les pavés, la plage, Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz, A

2015
Relapse, SNAP, Lyon, F (Solo)
Aftermath, Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz, A (Solo)
SOON, Quincaillerie van der Eycken, Brussels, B (curated by SNAP projects, Lyon, F)
Rhythm of line, Galerie Ruth Leuchter, Dusseldorf, D
Counting bodies like sheep to the rhythm of the war drums, 1335MABINI, Manila, Philippines (Solo)

2014
On / Out of work, SNAP, Lyon, F
Frequencies & Materials, SNAP, Lyon, F
Fuel to fire, Pappas Boutique / Kulturverein Neustein, Salzburg, A (Solo – Org. by Cast your Art)
Fata Morgana, Galleria Enrico Astuni, Bologna, IT
Clemens Hollerer – Michael Kienzer, Galerie Goelles, Fuerstenfeld, A

2013
Chat Jet_Painting Beyond The Medium, Kuenstlerhaus Graz, A
Tightrope, Galerie Klueser 2, Munich, D (Solo)
SculptureNOW – focus on small pieces, Galerie Ruth Leuchter, Dusseldorf, D
Unattainable, Hebel_121, Basel, CH (Solo)
Schauplatz Kornberg, Kornberg, A
MakeSHIFT(S) – Columna02 /  Lyon Biennale 2013 Satellite, Vienne, F
Crossing lines, Galerie Ruth Leuchter, Dusseldorf, D
Kardinal Koenig Art Prize Award Exhibition, St.Virgil, Salzburg, A

2012
Quarantine, PS, Amsterdam, NL (Solo)
A space in color (Expanding.color), La Tolerie, Clermont Ferrand, F
Reality of the unbuilt, Raketenstation Hombroich – Raimund Abraham building, D
Land of the seven moles, PS, Amsterdam, NL
30/30 Image Archive Project (IAP) a collective collection, Moins un, Paris, F (Org. by Team CCNOA)

2011
1er Festival international d’Art Non Objectif de la ville de Pont de Claix (Isere), F
Hollerer/Marte ‘Do we need to have an accident?’, Kunsthaus Graz – Universalmuseum Joanneum, Graz, A (Duo with Sabine Marte)
Fuenf Raeume (Five Rooms), Austrian Cultural Forum, New York, USA
Future Generation Art Price @ Venice, Palazzo Papadopoli, Venice, IT
Collateral event of the 54th International Art Exhibition of La Biennale di Venezia
Calculating infinity, Galerie Winiarzyk @ Kulturverein Neustein, Salzburg, A
One minute silence, Galerie Winiarzyk, Vienna, A (Solo)
Kardinal Koenig Art Prize Award Exhibition, St.Virgil, Salzburg, A

2010
Pièces uniques, ParisCONCRET, Paris, F
Composite Visions, CAN – Centre d’Art Neuchatel, CH (Org. by Team CCNOA)
My Eyes Keep Me in Trouble (traveling exhibition), La Station, Nice, F (Org. by Team CCNOA)
With your eyes only, YUM, Brussels, B (Org. by Team CCNOA)
Project 30/30 – Image Archive Project (IAP), Minusspace, New York, USA (Org. by Team CCNOA)
UND 6 – Intercontinental, Schwartz Gallery, London, GB (curated by Tilman, Billy Gruner und Jan van der Ploeg)
Future Generation Art Prize, Pinchuck Art Centre, Kiev, Ukraine
No time to analyze. 13am, Cast your Art, Vienna, A (Solo)

2009
My Painting.nu, Lokaal 01, Breda, NL
Breathless, Markthalle Wien Mitte, Vienna, A (curated by Adam Budak)
Beware, Koje Medienturm, quartier21, Museumsquartier, Vienna, A (Solo)
Equally damaged, KHG – Katholische Hochschulgemeinde Graz, A (Solo)
With your eyes only, Kunstverein Medienturm, Graz, A (Org. by Team CCNOA)

2008
Fragile, H29, Brussels, B (Duo with Sebastian Wickeroth)
Nick & the Beanstalk, Project space CCNOA – Center for Contemporary Non-Objective Art, Brussels, B (Solo)
Appell, Museum Felix de Boeck, Brussels, B
My Eyes Keep Me in Trouble (traveling exhibition), SCA Galleries, Sydney, AU (Org. by Team CCNOA)
SNO 38, SNO – Sydney Non-Objective, AU (Org. by Team CCNOA)
Open sky, Raeume jenseits ihrer Praxis, Schloss Kalsdorf, A
My Eyes Keep Me in Trouble (traveling exhibition), Physics Room, Christchurch, NZ (Org. by Team CCNOA)
Appell, Verbeke Foundation, Antwerp, B
Gegenstandslos, Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Bonn, D
Unsculptured, Atelier 35, Bucharest, Romania
YO, MO‘ Modernism 2, CCNOA – Center for Contemporary Non-Objective Art, Brussels, B
Photo Graz 2008, Kuenstlerhaus Graz, Austria

2007
Collection Mayreder, Lendl gallery/Mayreder, Graz, A
My Eyes Keep Me in Trouble (traveling exhibition), Nieuwe Vide, Haarlem, NL (Org. by Team CCNOA)
Full House, Huis van Winckel, Dendermonde, B
Pas de Soucis, La Barraliére, NOS – Non Objective Sud, Tulette, F (Org. by Team CCNOA)
All is well that begins well and has no end, Washington Square East Gallery, New York, USA
Restore (Blue/Orange/Black/White), Handelsbeurs, Gent, B (Solo)
Just a Four Letter Word, Final show HISK, Museum Dhondt – Dhaenens, Deurle, B

2006
Beyond, Konsortium, Dusseldorf, D (Solo)
First things first, CCNOA – Center for Contemporary Non-Objective Art, Brussels, B
Which way, McBride Fine Art, Antwerp, B (Solo)
Leere x Vision : Connexions, Marta Herford, D


Galerie Zimmermann Kratochwill, 2016

 

 

 

Clemens Hollerer, untitled (orange bar)

16.09.2016–15.10.2016   sous le pavés, la plage | Text von Margareth Otti, 2016   Poklong Anading und Clemens Hollerer und verbindet das Interesse an den Straßen der Stadt. Ihre Arbeiten interpretieren Urbanität punkig, bunt und poetisch. Gezeigt werden wesentliche Stationen und die vielfältigen künstlerischen Methoden ihres Werks: Zeichnungen, Collagen, Skulpturen und Installationen aus besonderen Materialien, […]

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16.09.2016–15.10.2016


 

sous le pavés, la plage | Text von Margareth Otti, 2016

 

Poklong Anading und Clemens Hollerer und verbindet das Interesse an den Straßen der Stadt. Ihre Arbeiten interpretieren Urbanität punkig, bunt und poetisch. Gezeigt werden wesentliche Stationen und die vielfältigen künstlerischen Methoden ihres Werks: Zeichnungen, Collagen, Skulpturen und Installationen aus besonderen Materialien, die Anadings und Hollerers prozessorientiertes Arbeiten und ihre Rolle als kritische Beobachter und Sammler dokumentieren.

Anadings Arbeiten, die auch in der weltbekannten Sammlung des Solomon R. Guggenheim Museums in New York vertreten sind, spielen mit urbanen Phänomenen der globalen Marktwirtschaft. In der Serie untitled (landmark), einer 2006 begonnenen Serie von Fotografien, dokumentiert er die Reste der Textilproduktion auf den Straßenbelägen Manilas. Überschüssige Stoffe philippinischer Textilfabriken werden zu trapos verarbeitet; kreisrund vernähte Putztücher, die überall verkauft werden und im Stadtbild als bunte, übergroße Konfetti auftauchen. Anading fotografiert die runden Stoffreste auf der Straße liegend. Vor dem Asphalthintergrund wirken sie wie ein fröhlicher Layer, der über der Stadt liegt und der die kritische politische Situation auf den Philippinen ad absurdum führt. Als objet trouve, nahezu wertloses Produkt an sich gewinnbringender Näharbeit, liegt das trapo seinem Zweck und Zielort entledigt als urbane Partydekoration auf der Straße.

Miracle Healing and Other Hopeful Things ist eine Serie von haptischen Skulpturen aus trapos: Vielfarbige, weiche, gepolsterte Bogen, fröhlich und grotesk zugleich. Anading reizt die materiellen Möglichkeiten der trapos, die an biegsamen Stahlstangen fixiert und von Farbbehältern oder anderen Gebinden getragen werden, durch statische Experimente aus. Trapo-Spinnen, Schlangen, Kerzen, Bogen, Schlauche, Blumen und Girlanden wandern überdimensional durch den Galerieraum. Das trapo, das im Oberfluss vorhandene Gebrauchsobjekt von geringem monetären Wert, feiert seine Existenz: Dem kapitalistischen Kreislauf der Textil-Billigproduktion und dem Mülleimer entkommen, zelebriert es sein umgedeutetes Dasein im White Cube der Galerie und legt den kapitalistischen Kreislauf herein. Das ist vielleicht das Wundermittel – miracle healing – gegen den bedenklichen Zustand der Welt – ausbrechen, lachen und einen anderen Weg einschlagen. Die Skulpturen sind freundlicher Ausdruck des Paradoxons, dass sich der Zweck der Kunst durch ihre Zwecklosigkeit bestimmt (was nicht bedeutet, dass Kunst nicht gesellschaftliche und politische Aufgaben erfüllen kann): Obwohl ohne Zweck, wie schon Immanuel Kant festhielt, ist die Kunst für sich selbst zweckmäßig. An die Wirkung der Kunst zu glauben, bedeutet, dem Nutzen ihrer Nutzlosigkeit zu vertrauen. Dieses Vertrauen in eine ästhetische Erfahrung ist besonders in einer neoliberal-postkapitalistischen und gnadenlos zweckorientierten Gesellschaft unentbehrlich.

Clemens Hollerer präsentiert Skulpturen und Collagen auf Papier, die das Interesse des Künstlers an der formalen und sinnlichen Wirkung von Straßenzügen und städtischem Gefilde unterstreichen. Die 2006 entstandenen Collagen basieren auf Fotografien von Städten der Beneluxstaaten und zeigen in stilsicherer Reduktion Raumsituationen: schmale Ecken, scharfe Kanten, spitze Winkel, weite Flachen. Diese Arbeiten bildeten den Ausgangspunkt für Skulpturen aus Aluminium und Lack, welche die grafische Abstraktion ins Räumliche rückübersetzen. Hollerers Ausgangstechnik ist die Fotografie, deren unmittelbare und spontane Wirkung sich in seine Arbeiten überträgt. Eine über viele Jahre gewachsene Sammlung von Aufnahmen fungiert als Archiv für das urbane Formenvokabular, das in verschiedene Techniken – Malerei, Collage, Zeichnung, Skulptur und Installation – übersetzt wird. Hollerer erforscht den Raum des Alltags: durchschrittene Straßen, das Um-die-Ecke-biegen, das Überqueren, sich Orientieren in Kubatur, Schlendern über Platze. In den Collagen von 2006 werden Stadtfotografien in eine klare grafische Sprache übersetzt. Auf Millimeterpapier linden sich die geometrischen Linien der zivilisatorischen Meisterleistung Stadt präzise abstrahiert wieder.

Das Millimeterpapier verweist auf die Idee von Architektur als Prozess: Entwerfen, Planen und zu Papier bringen liegt dem Gebauten zugrunde. Was einst gezeichnet und in Architekturen umgesetzt worden ist, erlebt Hollerer erst durchwandernd und setzt das Erlebnis in eine Fotografie um. Diese wird als geometrische Collage wieder zurück auf Papier gebracht, als ein durch das bildliche Erinnern geprägter Neuentwurf. Gegebenenfalls verwandeln sich die Fotos wieder ins Dreidimensionale, in eine von räumlichem Wahrnehmungen und Erinnern geprägte Skulptur. Individuelle körperliche Raumerfahrung überlagert den Maßstab und die metrischen Einheiten. Die Collagen analysieren den erlebten Raum und nehmen den Bettachter mit auf eine visuelle Reise. Sie erinnern an die Stadtwanderungen und die Plane des dérives der Situationistischen Internationale, der französischen Künstlergruppe der 60er-Jahre, welche die räumliche Wahrnehmung der Stadt und der Straße zur Kunstform erhob. Ihr utopisches Ziel war eine grundlegende Umgestaltung der Kunst, des Alltagslebens und der gesellschaftlichen Normen. Die bessere Zukunft warte unter dem Straßenpflaster: sous les paves, la plage.

 

KÜNSTLER


 

Poklong Anading

1975 geboren in Manila (Philippinen), lebt und arbeitet in Manila.
1995-1999 University of the Philippines, Quezon City (RP)

 

Ausstellungen und Projekte (2000-2006, Auswahl)

2016
Architecture Biennale 2016, 15th International Architecture Exhibition, Philippine Pavilion: Muhon: Traces of an Adolescent City, Palazzo Mora, Venice (IT)
The Shadow Never Lies, curated by Joshua Jiang and Mark Nash, Minsheng Art Museum, Shanghai (CN), Afterwork, Para Site, Hong Kong (HK), Sidereal Message, Taro Nasu, Tokyo (JP) (solo), Encounter and Departure, Athr Gallery, Jeddah (SA) (solo)

2015
5th Asian Art Biennial: Artist Making Movement, National Taiwan Museum of Fine Arts, Taichung (TW), Video Spotlight: Philippines, Asia Society, New York (US), Stop Look Listen, 1335MABINI, Manila (RP), Roppongi Art Night, curated by Mami Kataoka, Tokyo (JP), Urban Canyon, 1335MABINI, Manila (PH) (solo), Hit or miss is a hit, Alliance Francaise de Manille, Makati (PH) (solo)

2014
No Country, Contemporary Art for South and Southeast Asia, Center for Contemporary Art, Singapore (SG), The Bald Sopranos, Gallery Exit (HK), What does it all matter as long as the wounds fit the arrows, Cultural Center of the Philippines, Manila (PH), Brave New World, Metropolitan Museum, Manila (PH)

2013
Copy Select All, Selasar Sunaryo Art Space, Bandung (RI) (solo), Common Ground Barrier, Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz (AT), Welcome to the Jungle, Yokohama Museum of Art, Nishi-ku, Yokohama (JP), Welcome to the Jungle, Contemporary Art Museum, Kumamoto (JP), No Country: Contemporary Art for South and Southeast Asia, Solomon R. Guggenheim Museum, New York (USA), Move on Asia, Video Art in Asia 2002-2012, ZKM Zentrum fur Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe (DE), Sharjah Biennal 11: Re:emerge, Sharjah (UAE), every water is an island, Bankok University Gallery, Bankok (TH) (solo)
Manila Vice, Musee International des Artes Modestes, Sete (FR), Art Death, 1335Mabini, Ermita, Manila (PH) (solo), Movement No.2 – Moving on Asia: Towards a New Art Network 2004-2013 – Wellington City Gallery, Wellington (NZ), Coup de sac, Musee de design et d’arts appliques contemporains, Lausanne (CH), locus, Silverlens, Gillman Barracks, Singapore (SG) (solo), Glitch in the System, The 8th Vladivostok Biennale of Visual Arts (RU)

2012
pocket coffin, Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz (AT) (solo), Gwangju Biennale: Roundtable, Gwangju, South Korea (KR), Phantoms of Asia: Contemporary Awakens the Past, curated by Mami Kataoka, Asian Art Museum, San Francisco (CA/USA)

2011
Miracle healing and other hopeful things, MO_space, Makati City (PH) (solo), The Sta. Mesa Diaries, Centre for Contemporary Photography, Victoria (AUS), Complete and Unabridged, Part II, Osage Art Foundation, Hong Kong (HK)

2010
Minimum Yields Maximum, Monte Vista Projects, Los Angeles/California (USA), There’s Money in Spending, Pablo Gallery, Fort Bonifacio (PH) (solo), The Unnamable, Manila Contemporary, Makati City (PH)

2009
Thrice Upon a Time: A Century of Story in the Art of the Philippines, Singapore Art Museum, Singapore (SG), This & That, Triple Base Gallery, San Francisco/California (USA), Drunken Revelry, Ateneo Art Gallery, Ateneo de Manille, Quezon City (PH) (solo), Tattooed Heart, Mag:net Gallery Katipunan, Quezon City (RP) (solo), Untitled (Landmark), West Gallery, Quezon City (RP) (solo), Magnetic Power, Jongno-Gu, Seoul (ROK), Jakarta Biennale 2009: Fluid Zone, Jakarta, Indonesia (RI), Some Rooms, Osage Gallery, Hong Kong (HK)

2008
Random Faults & Root Cause, Finale Art File, Makati City (RP) (solo), Fallen Map, Mag:net Gallery, Quezon City (RP) (solo), Beyond Frame, Philippine Photomedia, UTS Gallery, University of Technology Sydney, Sydney (AUS), Galleon Trade: Bay Area Now, 5th Edition, Yerba Buena Center for the Arts, San Francisco/California (USA), Coffee, Cigarettes and Pad Thai, Contemporary Art in Southeast Asia, Eslite Gallery, Taipei, Taiwan (RC), Sentimental Value – Philippine Contemporary Art, Art Center/Soka Contemporary Space, Beijing (RC), Room 307: Inkling, Gutfeel & Hunch, National Art Gallery, Manila (RP)

2007
Untitled (Landmark), Mag:net Gallery, Quezon City (RP) (solo), Light Suffers if there’s no Place to Fall from, Finale Art File, Makati City (RP) (solo), Between Intersections, Ateneo Art Gallery, Ateneo de Manille, Quezon City (RP) (solo), Shoot Me, Mo_space Gallery, Bonifacio Global City (RP)

2006
Anonymity, The Cross Art Projects, Sydney (AUS) (solo), Faulty Wings, Future Prospects, Quezon City (RP) (solo), Blindspot, Mag:net Gallery, Makati City (RP) (solo), Manila Envelope, Worth Ryder Gallery, Berkeley/California (USA), Metropolitan Mapping, Hongkong Cultural Centre, Hongkong (HK)


 

Clemens Hollerer

1957 geboren in Bruck/Mur, Österreich, lebt und arbeitet in Bad Gleichenberg
2001-2005 Euregio Kolleg für künstlerische Fotografie, Kefermarkt, Österreich
2006-2007 HISK – Higher Institute for Fine Arts, Antwerpen/Gent, Belgien

 

Ausstellungen und Projekte (2000-2006, Auswahl)

2016
Ansammlung – Sammelsurium – Sammlung, Galerie Ruth Leuchter, Dusseldorf, D
sous les pavés, la plage, Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz, A

2015
Relapse, SNAP, Lyon, F (Solo)
Aftermath, Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz, A (Solo)
SOON, Quincaillerie van der Eycken, Brussels, B (curated by SNAP projects, Lyon, F)
Rhythm of line, Galerie Ruth Leuchter, Dusseldorf, D
Counting bodies like sheep to the rhythm of the war drums, 1335MABINI, Manila, Philippines (Solo)

2014
On / Out of work, SNAP, Lyon, F
Frequencies & Materials, SNAP, Lyon, F
Fuel to fire, Pappas Boutique / Kulturverein Neustein, Salzburg, A (Solo – Org. by Cast your Art)
Fata Morgana, Galleria Enrico Astuni, Bologna, IT
Clemens Hollerer – Michael Kienzer, Galerie Goelles, Fuerstenfeld, A

2013
Chat Jet_Painting Beyond The Medium, Kuenstlerhaus Graz, A
Tightrope, Galerie Klueser 2, Munich, D (Solo)
SculptureNOW – focus on small pieces, Galerie Ruth Leuchter, Dusseldorf, D
Unattainable, Hebel_121, Basel, CH (Solo)
Schauplatz Kornberg, Kornberg, A
MakeSHIFT(S) – Columna02 /  Lyon Biennale 2013 Satellite, Vienne, F
Crossing lines, Galerie Ruth Leuchter, Dusseldorf, D
Kardinal Koenig Art Prize Award Exhibition, St.Virgil, Salzburg, A

2012
Quarantine, PS, Amsterdam, NL (Solo)
A space in color (Expanding.color), La Tolerie, Clermont Ferrand, F
Reality of the unbuilt, Raketenstation Hombroich – Raimund Abraham building, D
Land of the seven moles, PS, Amsterdam, NL
30/30 Image Archive Project (IAP) a collective collection, Moins un, Paris, F (Org. by Team CCNOA)

2011
1er Festival international d’Art Non Objectif de la ville de Pont de Claix (Isere), F
Hollerer/Marte ‘Do we need to have an accident?’, Kunsthaus Graz – Universalmuseum Joanneum, Graz, A (Duo with Sabine Marte)
Fuenf Raeume (Five Rooms), Austrian Cultural Forum, New York, USA
Future Generation Art Price @ Venice, Palazzo Papadopoli, Venice, IT
Collateral event of the 54th International Art Exhibition of La Biennale di Venezia
Calculating infinity, Galerie Winiarzyk @ Kulturverein Neustein, Salzburg, A
One minute silence, Galerie Winiarzyk, Vienna, A (Solo)
Kardinal Koenig Art Prize Award Exhibition, St.Virgil, Salzburg, A

2010
Pièces uniques, ParisCONCRET, Paris, F
Composite Visions, CAN – Centre d’Art Neuchatel, CH (Org. by Team CCNOA)
My Eyes Keep Me in Trouble (traveling exhibition), La Station, Nice, F (Org. by Team CCNOA)
With your eyes only, YUM, Brussels, B (Org. by Team CCNOA)
Project 30/30 – Image Archive Project (IAP), Minusspace, New York, USA (Org. by Team CCNOA)
UND 6 – Intercontinental, Schwartz Gallery, London, GB (curated by Tilman, Billy Gruner und Jan van der Ploeg)
Future Generation Art Prize, Pinchuck Art Centre, Kiev, Ukraine
No time to analyze. 13am, Cast your Art, Vienna, A (Solo)

2009
My Painting.nu, Lokaal 01, Breda, NL
Breathless, Markthalle Wien Mitte, Vienna, A (curated by Adam Budak)
Beware, Koje Medienturm, quartier21, Museumsquartier, Vienna, A (Solo)
Equally damaged, KHG – Katholische Hochschulgemeinde Graz, A (Solo)
With your eyes only, Kunstverein Medienturm, Graz, A (Org. by Team CCNOA)

2008
Fragile, H29, Brussels, B (Duo with Sebastian Wickeroth)
Nick & the Beanstalk, Project space CCNOA – Center for Contemporary Non-Objective Art, Brussels, B (Solo)
Appell, Museum Felix de Boeck, Brussels, B
My Eyes Keep Me in Trouble (traveling exhibition), SCA Galleries, Sydney, AU (Org. by Team CCNOA)
SNO 38, SNO – Sydney Non-Objective, AU (Org. by Team CCNOA)
Open sky, Raeume jenseits ihrer Praxis, Schloss Kalsdorf, A
My Eyes Keep Me in Trouble (traveling exhibition), Physics Room, Christchurch, NZ (Org. by Team CCNOA)
Appell, Verbeke Foundation, Antwerp, B
Gegenstandslos, Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Bonn, D
Unsculptured, Atelier 35, Bucharest, Romania
YO, MO‘ Modernism 2, CCNOA – Center for Contemporary Non-Objective Art, Brussels, B
Photo Graz 2008, Kuenstlerhaus Graz, Austria

2007
Collection Mayreder, Lendl gallery/Mayreder, Graz, A
My Eyes Keep Me in Trouble (traveling exhibition), Nieuwe Vide, Haarlem, NL (Org. by Team CCNOA)
Full House, Huis van Winckel, Dendermonde, B
Pas de Soucis, La Barraliére, NOS – Non Objective Sud, Tulette, F (Org. by Team CCNOA)
All is well that begins well and has no end, Washington Square East Gallery, New York, USA
Restore (Blue/Orange/Black/White), Handelsbeurs, Gent, B (Solo)
Just a Four Letter Word, Final show HISK, Museum Dhondt – Dhaenens, Deurle, B

2006
Beyond, Konsortium, Dusseldorf, D (Solo)
First things first, CCNOA – Center for Contemporary Non-Objective Art, Brussels, B
Which way, McBride Fine Art, Antwerp, B (Solo)
Leere x Vision : Connexions, Marta Herford, D


Galerie Zimmermann Kratochwill, 2016