Stefan Glettler | ausgestellt

Ausstellungsdauer: 19.9.–17.10.2020

Es ist mir eine Freude, den großen Farbflächen beim Trocknen zuzusehen, oder den weitläufigen Mustern bei ihrer Geburt, wenn sie Streifen für Streifen, Folie für Folie, zur Welt kommen.

Oft bin ich in diesem Sommer in Stefans Atelier, und das Erlebnis dieser Entstehungsmomente ist für mich nicht nur Vorfreude auf die vollendeten Werke, sondern zugleich ein Blick zurück, teilweise weit zurück, bis in die Kindheit. Denn es sind auch Erinnerungen an die kindliche Begeisterung für Materialien und Werkzeuge, von denen sich Stefan leiten lässt, wenn er heute mit verwandelter Sicht neue Werke schafft, unter Einbeziehung dieser Materialen und Methoden. So ist die Mehrschichtigkeit von Leinwänden und das gezielte Freischneiden eine dieser Inspirationen, die aus der Gegenwärtigkeit nur scheinbar vergangener Begeisterung erwachsen ist.

Es ist dieses bemerkenswerte Energiefeld – ja gelegentlich Spannungsfeld –, das mich an den aktuellen Werken anzieht: Einerseits Freifläche und Größe gegen andererseits Festigkeit und Stabilität im Detail der konsequent gesetzten Muster. Einerseits Leichtigkeit und Hingeworfensein gegen andererseits die klare Sichtbarkeit von konzentrierter Ausarbeitung. In diesem Energie- und Spannungsfeld gehe ich auf Entdeckungsreise, dorthin, wo Grenzen und Ränder der Bilder neu definiert werden, oder dorthin, wo in den Brennpunkten sich überlagernder Linien die Temperatur im Wettspiel der Muster derart steigt, dass ein Flirren und Schweben entsteht. Dies geschieht auf erstaunliche Weise etwa im Schnittbereich „der Augen“ – wie ich sie schlicht nenne –, während gleichzeitig, außerhalb von ihnen im freien Weiß, eine dunkle „Tränenflüssigkeit“ oder „Lava“ in eigener Regie schwebt – ungebunden, vermeintlich richtungslos, losgelassen.

Dieser Sommer, der mir mit vielen Stunden in Stefans Atelier in besonderer Erinnerung bleiben wird, hat mich schließlich auch zu folgender Erkenntnis geführt:

Kauft euch große Wohnungen mit großen Wänden für diese großen Bilder.

Frank Ruf

studio view

Ausstellungsdauer: 19.9.–17.10.2020

Es ist mir eine Freude, den großen Farbflächen beim Trocknen zuzusehen, oder den weitläufigen Mustern bei ihrer Geburt, wenn sie Streifen für Streifen, Folie für Folie, zur Welt kommen.

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Stefan Glettler | ausgestellt | 19.9. - 17.10.2020

Ausstellungsdauer: 19.9.–17.10.2020

Es ist mir eine Freude, den großen Farbflächen beim Trocknen zuzusehen, oder den weitläufigen Mustern bei ihrer Geburt, wenn sie Streifen für Streifen, Folie für Folie, zur Welt kommen.

Oft bin ich in diesem Sommer in Stefans Atelier, und das Erlebnis dieser Entstehungsmomente ist für mich nicht nur Vorfreude auf die vollendeten Werke, sondern zugleich ein Blick zurück, teilweise weit zurück, bis in die Kindheit. Denn es sind auch Erinnerungen an die kindliche Begeisterung für Materialien und Werkzeuge, von denen sich Stefan leiten lässt, wenn er heute mit verwandelter Sicht neue Werke schafft, unter Einbeziehung dieser Materialen und Methoden. So ist die Mehrschichtigkeit von Leinwänden und das gezielte Freischneiden eine dieser Inspirationen, die aus der Gegenwärtigkeit nur scheinbar vergangener Begeisterung erwachsen ist.

Es ist dieses bemerkenswerte Energiefeld – ja gelegentlich Spannungsfeld –, das mich an den aktuellen Werken anzieht: Einerseits Freifläche und Größe gegen andererseits Festigkeit und Stabilität im Detail der konsequent gesetzten Muster. Einerseits Leichtigkeit und Hingeworfensein gegen andererseits die klare Sichtbarkeit von konzentrierter Ausarbeitung. In diesem Energie- und Spannungsfeld gehe ich auf Entdeckungsreise, dorthin, wo Grenzen und Ränder der Bilder neu definiert werden, oder dorthin, wo in den Brennpunkten sich überlagernder Linien die Temperatur im Wettspiel der Muster derart steigt, dass ein Flirren und Schweben entsteht. Dies geschieht auf erstaunliche Weise etwa im Schnittbereich „der Augen“ – wie ich sie schlicht nenne –, während gleichzeitig, außerhalb von ihnen im freien Weiß, eine dunkle „Tränenflüssigkeit“ oder „Lava“ in eigener Regie schwebt – ungebunden, vermeintlich richtungslos, losgelassen.

Dieser Sommer, der mir mit vielen Stunden in Stefans Atelier in besonderer Erinnerung bleiben wird, hat mich schließlich auch zu folgender Erkenntnis geführt:

Kauft euch große Wohnungen mit großen Wänden für diese großen Bilder.

Frank Ruf