CLEMENS HOLLERER

Clemens HOLLERER | AFTERMATH
6. März 2015 bis 17.Mai 2015

Welcome to face denial! Welcome to the aftermath!

Aftermath handelt vom Wiederaufbau – vom Schockzustand nach dem gewalttätigen Akt, vom Stadium eines aufgeladenen „Danach“. Clemens Hollerers aktionistisch wirkende Skulpturen widmen sich in den klassischen Räumen des denkmalgeschützten Stadtpalais der Galerie Zimmermann Kratochwill der dystopischen Wirkung brutaler Zerstörung. In seinen skulpturalen Auseinandersetzungen bezieht sich der aus der Fotografie kommende Hollerer auf Bilder von 9/11 und dem verheerenden Erdbeben in Christchurch (2008), die er mit seiner Kamera dokumentierte. Seine Aufnahmen – von denen es inzwischen eine riesige Sammlung gibt – dienen ihm als Archive eines städtischen, sich ständig verändernden Formenvokabulars. Sie sind dabei Verwandte jener Ikonen die das globale Gedächtnis des Medienzeitalters prägten; Bilder die jede/r kennt und die die Wunden der gewaltigen Destruktionen der vergangenen Jahrzehnte als kraftvolle Momente einer grotesken Re-kreation aufdecken. Wie jedes Schaffen einen Akt der Zerstörung enthält, sind selbst die Ruinen der Twin Towers unter dem „objektiven Blick“ der Linse nicht nur Bilder eines ehemals Ganzen, sondern auch die gespenstischen Neuformulierungen von geschundenem, urbanen Material. Es handelt sich bei Clemens Hollerers Arbeiten, die durchaus auch im öffentlichen Raum, an Nicht-Orten auftauchen können, um eine Erforschung des Alltäglichen. Es sind Analysen eines unbewussten Gestaltsehens, die in der Überraschung aufgehen und den Betrachter nach Adam Budak auf eine imaginäre Reise durch entfremdete Landschaften einer postapokalyptischen Ruine mitnehmen und dabei den Prozess der Dekonstruktion als räumliches und zeitliches Narrativ auffächern.
Hollerers dreidimensionale Arbeiten unterteilen sich in der Ausstellung im Wesentlichen in die zwei Stränge Installation und Bild. Beide sind eng miteinander verwandt, aber über Skalierung und Bündelung gehen sie ganz unterschiedlich mit dem Raum und dem Betrachter um: Seine aus dem Material der Baustelle gefertigten und hochglanzbemalten Holzlatten sind raumgreifend, in gewissen Sinne invasiv und spontan. Es sind Installationen die er vor Ort und mit dem Ort erarbeitet und als dreidimensionale Farbfelder einer ephemeren Stofflichkeit zusammenbaut. Theatralisch überbordende Materialien treffen dabei als aggressive, sinnliche Ereignisse mächtiger Farbexplosionen auf die Ruhe des weißen Galerieraumes. Der Raum wird dabei erfahrbares Bild, Perspektive befindet sich in Bewegung.
Zum anderen sind es dezidiert auf das Format des Bildes, des rechten Winkels sich konzentrierende Objekte, die als vertikale Collagen bemalter Holzlatten zusammengesetzt werden und den Galerieraum als Modell in ihrer Form spiegeln. In ihrer materiellen Ordnung und Verdichtung sind sie dabei der Zusammenschluss maximaler Akkumulation der Masse und minimaler Reduktion der sich ausdehnenden Form. Aftermath formt sich damit über das Spannungsfeld zwischen Installationen und Bildobjekten als Gang zwischen Expansion und Kontraktion in dessen energischen Echo sich Raum und Zeit spürbar aufspannen.

Text: Katrin Rosalind Bucher Trantow



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CLEMENS HOLLERER
1975 in Bruck/Mur
Lebt und arbeitet in Bad Gleichenberg

AUSSTELLUNGEN (AUSWAHL):

2015
Relapse, SNAP, Lyon, F
Aftermath, Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz, A

2014
Fata Morgana, Galleria Enrico Astuni, Bologna, IT

2013
Chat Jet_Painting Beyond The Medium, Künstlerhaus Graz
Tightrope, Galerie Klüser 2, München, D
SculptureNOW - focus on small pieces, Galerie Ruth Leuchter, Düsseldorf, D
Unattainable, Hebel_121, Basel, CH
MakeSHIFT(S) - Columna02 / Lyon Biennale Satellite 2013, Vienne, F

2012
Quarantine, PS, Amsterdam, NL
A space in color (Expanding.color), La Tôlerie, Clermont-Ferrand, F

2011
Hollerer/Marte - ‚Brauchen wir einen Unfall?’, Kunsthaus Graz :: Universalmuseum Joanneum
Fünf Räume, Austrian Cultural Forum, New York, USA
Future Generation Art Prize @ Venice - Kollateralevent der Venedig Biennale 2011, Palazzo Papadopoli, Venedig, IT

2010
Pièces uniques, ParisCONCRET, Paris, F
Composite Visions, CAN – Centre d’Art Neuchâtel, CH
With your eyes only, YUM, Brüssel, B (Org. Team CCNOA)
30/30 – Image Archive Project (IAP), Minusspace, New York, USA (Org. Team CCNOA)
Future Generation Art Prize, Pinchuck Art Centre, Kiev, Ukraine