KLAUS D. ZIMMER

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Zeichnung und anderen Ausdrucksformen in der Zeichnung. Im Hauptthema liegen vordergründig naturbezogene Motive, die aufgelöst werden von Phänomen der Freizeitkultur, wie z.B. von Samplings, Collagen und Logos aus Outdoor Reportagen. Meine Arbeiten auf Papier sind also nicht in der Natur, sondern nach der Natur entstanden. Aus einer Informationskultur heraus. Eine Ausnahme machen semi-dokumentarische Kurzfilme, die direkt vor Ort, also in der Natur entstehen. In weiterer Folge beschäftige ich mit den tektonischen Plattenverschiebungen, die auch in der Zeichnung und Collage, aber hauptsächlich in skulpturalen Objekten umgesetzt werden. Die Materialität dieser Objekte besteht aus Glas, Lack und Stahl. Ein weiterer künstlerischer Aspekt in meinem zeichnerischen Schaffen bildet der „Wetzelsdorfer Schreibraum“, ein Ort, ein Raum, in dem gezeichnet, dokumentiert und geschrieben wird. Die Texte zu „switch the nature“ und „die Reise zum Plabutsch“, die in einem demnächst erscheinenden Buch veröffentlicht werden, haben hier begonnen und nehmen ihren Verlauf, bis diese Fiktionen, die sich mit Landschaft im weitläufigsten Sinne beschäftigen, vollendet beschrieben werden.

(Klaus D. Zimmer)

 

„Hat sich Klaus D. Zimmer zwischen 2015 bis 2017 thematisch primär mit dem Spannungsfeld von Natur und Freizeitkultur befasst und hier einen oft gestisch-expressiven Zeichenduktus mit dem Medium der Collage kombiniert, sind seine neuen Zeichnungen stärker dem stillen Beobachten und sensibilisierten Gestus der Naturerscheinungen gewidmet. ‚Bäume, die erzählen‘, sagt er etwa zu einer Reihe dieser mittelformatigen Papierarbeiten, zu denen auch seine mit Tree-somes überbetitelten Blätter zählen, deren pflanzliche ProtagonistInnen feminine oder maskuline Charaktere anzunehmen scheinen. Um seine anthropomorphen Natur- Beobachtungen zu verdeutlichen, gibt er diesen Zeichnungen Titel wie Achselhaarbaum, Women‘s Tree, Wimpernbaum, Wings, Mann-Baum, Frau-Baum, Baum frisst Baum oder auch „literarische“ wie etwa Die Hürde – ich habe noch nie mit einem Baum geschlafen.
Klaus D. Zimmer erzählt Geschichten – in seinen Zeichnungen wie auch in seinen Texten. Fiktion, Realität und Fantasie liegen hier stets dicht beisammen, expressis verbis etwa in der mit Kugelschreiber beschriebenen und spiegelverkehrt montierten Collage Gezeichnete Wahrheiten sind gezeichnete Unwahrheiten aus dem Jahr 2018. Zugleich geraten hier und neuerdings die Skizze, die Gedankenskizze, oft nur lapidar gefertigt, manchmal aber auch mit offenkundiger Hingebung zum Gegenstand detaillierter ausgeführt, zum Hauptprodukt in Zimmers zeichnerischem Schaffen.
Dem gegenüber beruhen seine skulpturalen Arbeiten oft auf historischen Recherchen. Die aus Beton und Aluminium gefertigten Fleur Skulpturen etwa gehen auf seine Beschäftigung mit der Entwicklung des Stahlbetons zurück. Um 1824 hatte der englische Maurer Joseph Aspdin ein neues Bindemittel aus gebranntem Ton und Kalk gefunden, das er Portlandzement nannte. Durch Mischen mit Sand und Wasser entstand daraus Beton, der aber nur für Fundamente geeignet war. Erst der französische Gärtner Joseph Monier goss um 1867 in Pflanzenkübel, die er als Verschalungsformen verwendete, Beton, die er mit Eisenstangen bestückte. So entstand der Eisenbeton (Stahlbeton), bei dem die abgehende Zugfestigkeit von Eisen (Stahl)
übernommen wird. 2017 ersetzte Klaus Dieter Zimmer den Stahl durch Aluminium, nicht aber um aus dieser Materialkombination neuartige Trägerkonstruktionen zu bauen, sondern formal reduzierte Skulpturen, die mit seinen Zeichnungen hervorragend korrespondieren, wie dies seither schon mehrmals – etwa im Kunsthaus muerz – zu sehen war.“

(Lucas Gehrmann)

 

Das Papier.

Diese Ruhe
beim Zeichnen, aber noch mehr vor dem Zeichnen. Die innere Ruhe, die Stille. Innen und außen.
Der Bach der Gedanken fließt durch den Körper,
durch meine Adern, bis in meine Fingerspitzen.
Ich könnte meinen, ich spüre jedes Blutkörperchen, das langsam aber tänzelnd
und irgendwie zufrieden meinen Arbeitslauf steuert.
Ich höre nur den Bleistift oder den Kugelschreiber, leise dahingleitend,
manchmal kratzend.
Hin und wieder vermischen sich die Geräusche von draußen mit dem Inneren.
Die Nässe der Straße, das Fahren der Autos, der Regen, der Wind.
Wasser wie Klebstoffgeräusche in meinen Ohren.
Die Zeichnung ist schön, wie ich meine.
Das Aquarell kommt hinzu. Nässe. Das Papier erzählt.
Das Papier zerbricht. In Furchen. Es verbiegt sich, demontiert sich. Ungewollt.
Es fügt sich wieder zusammen. Zu einem einheitlichen Ganzen,
wunderschönen Ausdrucks.

(aus: Klaus D. Zimmer, Die Ästhetik der Natur, die Biologie des Zeichenblattes – Die unendliche Ausschöpfung des Ausdrucks. Graz, 26. Okt. 2017)

 



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Klaus Dieter Zimmer

geb. in Bergneustadt (DE)
Lebt und arbeitet in Graz
Studium der Malerei und Grafik, Akademie der bildenden Künste, Wien (Diplom Mag. art.)

Preise und Stipendien
1984 Theodor- Körner-Preis für Wissenschaft u. Kunst, verliehen an der Universität Wien
1991 Chicago-Stipendium des BmUKK, Bundesministerium für Unterricht, Kunst u. Kultur, Österreich
1994 Paris-Stipendium des BmUKK, Bundesministerium für Unterricht, Kunst u. Kultur, Österreich
2006–2012 Bundesatelier des BmUKK, Wien Westbahnstrasse

Lehrtätigkeiten
1992–1998 Lehrtätigkeit für konstruktives Naturzeichnen, Schrift u. zeitgenössische Phänomene der Schrift, Institut für Bühnengestaltung, Universität Mozarteum, Salzburg
1998–2000 Professor für künstlerische Gestaltung am Institut für Zeitgenössische Kunst, Architekturfakultät, Technische Universität, Graz
2006–2009 Lehrtätigkeit für Theorie der Farben am Institut für Raumgestaltung, Architekturfakultät, Technische Universität, Graz
2013/2014 Lehrtätigkeit für künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum am Institut für Zeitgenössische Kunst, Architekturfakultät,
Technische Universität Graz.
Seit 2014 Fachlehrer für Kunst und Kunstgeschichte an der Karl-Schubert-Schule, Graz
2019 Gründung des Instituts für Trailosophie
Ausgewählte Ausstellungen der letzten Jahre
(2003-2019)

2019
Land(e)scapes, Kunsthaus Muerz, Mürzzuschlag
Inside Out, Galerie Zimmermann-Kratochwill, Graz

2018
Sternchen, Werkstadt Graz, Graz
Photo Graz Selection II, Fotoforum Innsbruck
die 90er Jahre, Museum Wien, Wien (Katalog)
Semmerding, Kunsthaus Muerz, Mürzzuschlag
Photo Graz 018, Biennale, Minoriten, Graz, (Katalog)
Photo Graz Selection II, Galerija Zuccato, Porec, Kroatien
Photo Graz Selection, Galeriji Waldinger, Osijek, Kroatien
Photo Graz Selection II, Kulturzentrum Rehlovice, Tschechien
Photo Graz Selection, City Museum Vrsac, Vrsac, Serbien
Buchstabenfest Zollamt, Bad Radkersburg
The Cult of the Dead II, Kunstverein Gottrekorder, Graz

2017
Demontage, Werkstadt Graz, Graz
Internationale Biennale "Art of Miniatur", Ruse Art Gallery, Ruse, Bulgarien
Photo Graz Selection, Kulturforum Zagreb, Kroatien (Katalog)

2016
Sternchen, Werkstadt Graz, Graz
Photo Graz 016, Biennale, Minoritenkonvent, Graz, (Katalog)
Float, Installation bei Andasbiken, Graz
Murals, Fotoinstallation Kirche St. Andrä, Graz
Artmachine, Kunst im öffentlichen Raum, Pöllau
Tschick und Politik, künstlerische Interventionen, Kirche St. Andrä, Graz
Berg und Tal, Groß-Gerungs
Berg und Tal, Baden
Berg und Tal, MuseumOrth, Orth a.d. Donau

2015
Small Pieces V, Galerie Lendl, Graz
Internationale Biennale „Art of Miniatur“, Ruse Art Gallery, Ruse, Bulgarien
Erdbeerfelder für immer, Schaufenstergalerie Scharf, Graz
maniac, Kunst im Kontext von Psyche, Wahn u. Besessenheit, reflector, Wien
theRed, Vebikus Kunsthalle Schaffhausen, CH
dieses wunderbare leuchtende Rot, BSA Galerie, Wien
Berg und Tal, Zeitbrückemuseum, Gars am Kamp
Berg und Tal, Schüttkasten, Allentsteig
Berg und Tal,Kulturschloss Reichenau an der Rax
Berg und Tal, Ferrum, Ybbsitz
theRed, MAG3, Wien (Katalog)

2014
Small pieces II/IV, Galerie Lendl, Graz
Transforming - special selection, BSA Galerie, Wien
Photo_graz 014, Biennale der steirischen Fotokunst, Kunstfreiraum Papierfabrik, Graz
theRed, Ruse Art Gallery, Ruse, Bulgarien
eyes on, Monat der Fotografie, Galerie Jünger, Wien (Katalog)
SPECIAL SELECTION, Galerie Jünger Bad, Vöslau
Wildwuchs, Kunsthaus Mürz, Mürzzuschlag, (Katalog)
Trailer, Galerie Jünger, Wien

2013
Kavoom. Studio Himmer, Wien
Small Pieces III/2, Galerie Lendl, Graz
Final Cut Galerie Jünger, Baden
Viertelneunstudio, Studio Bezdeka, Wien
Uomini illustri – donne superbe, Galerija Rajka Mamuzica, Novi Sad, Serbien (Beteiligung mit Beba Fink)
Uomini illustri – donne superbe, Kulturforum Belgrad (Beteiligung mit Beba Fink), (Katalog)
bike your dream, Galerie Projektraum Viktor Bucher, Wien
Gartenkunst. Kunstgarten, Ursin Haus Langenlois
Zehn Jahre Museum des Stiftes Admont. Es lebe die Vielfalt! Museum für Gegenwartskunst, Admont
Gartenkunst.Kunstgarten, Rathaus Purgstall, Purgstall
Gartenkunst.Kunstgarten, FeRRUM-welt, Ybbsitz
Gartenkunst.Kunstgarten, museumORTH, Orth a.d. Donau
LKWPKWKT, BSA Galerie, Wien (Soloexihibition)

2012
Die Neuen, BSA Galerie, Wien
Let The Artist SignYourbook, Performance, Vienna artweek, 21er Haus, Wien
Arte Noah, Parkfair Wien
Sammlung zeitgenössischer Kunst des Belvedere , 21erHaus, Museum des 21.Jh.,Wien
„Land.schafft“, Kunstforum Montafon, Schruns
Wasser-Biennale, Fürstenfeld (Katalog)
„GROUND CONTROL“, Jahresmuseum Kunsthaus Mürzzuschlag, (Katalog)

2011
„InBetween. Austria Contemporary”, Azerbaijan National Museum of Art, Baku, Aserbaidschan
“carsyoudrivemeart” Oberösterreichische Landesgalerie, Linz, ( Katalog)
“In Between.Austria Contemporary”, CAC Contemporary Art Center, Vilnius, Litauen
„Body, Space and Movement“ Kunstraum Niederösterreich, Wien, (Katalog)
UominiIllustri – Donne Superbe“ Galerie Jünger, Baden

2010
„Trias“, Galerie Jünger, Baden bei Wien
RINGTURM.KUNST, Leopold Museum, Wien, (Katalog)
4. Internationale Beijing Biennale, NAMOC National Art Museum of China, Peking, China, (Katalog)
“Malerei: Prozess und Expansion – von den 1950er-Jahren bis heute” MuMoK Museum Moderner Kunst, Stiftung Ludwig, Wien,(Katalog)
„Kunstgarten/ Gartenkunst“, Galerie Jünger , Baden bei Wien
„Schau: Lager“, Galerie Amer Abbas, Wien
„Zeichnung Wien“, Galerie Ruberl, Wien
„Best of Admont“, Museum für Gegenwartskunst, Stift Admont
„In Between, Austria Contemporary“, Centre for Contemporary Art, Montenegro, (Katalog)

2009
“Natur-die Schöpfung ist nicht vollendet”, Museum für Gegenwartskunst, Stift Admont
„Genuine Happiness“ New Generation, Galerie Amer Abbas, Wien

2008
„Cross-Painting“, 3 Positionen transgressiver Malerei , ART ROOM WÜRTH AUSTRIA, Böheimkirchen (Katalog)
„Kunst im Dialog“, Ausgewählte Kunstwerke der Artothek des Bundes in der ständigen Vertretung Österreichs bei der EU, Brüssel, Belgien

2007
„Blickwechsel#3“, MMKK, Museum Moderner Kunst Kärnten, Klagenfurt (Katalog)

2006
„Spectrum Farbe“ Niederösterreichisches Landesmuseum St. Pölten

2004
„Blickwechsel“, MMKK, Museum Moderner Kunst Kärnten, Klagenfurt
„Visionen einer Sammlung“, Museum der Moderne, Salzburg (Katalog)
Museum für Gegenwartskunst, Stift Admont

2003
„zeichnen-sprechen-schreiben“, Galerie Krobath/Wimmer, Wien
„Ausser Atem“, Aktuelle Positionen aus Österreich, Kunstverein Wiesbaden

Werke im Besitz von Museen und Sammlungen:
Sammlung Österreichische Nationalbank, Wien
Kupferstichkabinett, Wien
Museum für Gegenwartskunst, Stift Admont.
Österreichische Galerie, Museum Belvedere, Wien
Niederösterreichisches Landesmuseum, St. Pölten.
MMKK, Museum Moderner Kunst Kärnten, Klagenfurt.
Museum der Moderne Mönchsberg, Salzburg.
Oberösterreichische Landesgalerie, Linz
Fotosammlung des Bundes, Wien.
Fotosammlung Rupertinum Salzburg.
Staatliche Sammlung des Bundes, Wien
Sammlung der Stadt Wien.
Sammlung Würth, Böheimkirchen.
Sammlung Infeld
Sammlung der Industriellenvereinigung, Wien.
Kunstforum Ba-Ca, Wien.
Sammlung der Wiener Städtischen, Wien
Sammlung HS-Art Service, Wien.
Schoellerbank, Wien.
Kulturamt der Stadt Graz
Universalmuseum Joanneum, Graz
ORF, Künigelberg, Wien

Sowie zahlreiche private Sammlungen.