MANUEL OCAMPO

Meine laufende Arbeit betrachte ich als etwas, das keine Erklärung hat (oder es ist noch keine aufgetaucht). Eher als dass ihr eine Erklärung fehlen würde, braucht sie keine, denn das Werk besteht ohne Erklärung. Das ganze theoretische Einerlei der Erzeugung von Bedeutung für die eigene Arbeit ähnelt der Suche nach einem Geist aus der Flasche. Ihre Gefängnislogik entspricht der Austreibung von Geistern, die in Darmverstimmungen hausen.

Sie quält mich. Man schützt seine Nase besser vor Geisterfürzen. Bisher ist keine Theorie darüber aufgetaucht, wieso man sich in einem Zimmer einschließen soll, um mit Ausdauer auf den stummen Widerstand feuchter und zusammengeballter Pigmentpasten einzustechen (ich improvisiere eine, näherungsweise). Aber Gemälde kommen trotzdem zustande, Entdeckungen werden weiterhin gemacht, und ich sehe keinen Bedarf für ein Warum.

Vielleicht gehe ich davon aus, dass die Schaffung eines Gemäldes wie die eines Kindes ihre eigene Bedeutung in sich trägt. Ein Gemälde erwächst aus einer Tradition, einer historischen, aber auch einer persönlichen. Es erwächst aus etwas bestimmten; es ist die Folge einer Menge von Faktoren. Es würde genügen, davorzustehen und es zu lesen. Ich glaube, die Bedeutung wird mit dem Gemälde selbst geschaffen. Ich kann meine eigene Lesart erzeugen und eine genaue Bedeutung wiederherstellen … aber ich lasse mich dazu nicht drängen. Ich sehe das nicht als notwendig an. Ich gehe davon aus, dass diese meine Geschöpfe ihre Gründe haben hier zu sein. Man könnte lange über diese instinktmäßige, naturalistische oder kreationistische Theorie reden … aber wir werden dabei in einen schlafwandlerischen Zustand verfallen, der erbärmliches Vergessen heißt.

Malerei ist schließlich ein Medium für Zombies. In der Regel ist die Kunst, die ich mache, ein Nebenprodukt dessen, was im Kühlschrank nach einer Nacht tapferer Gefräßigkeit und Alkoholabhängigkeit mit Hin und Her aufs Klo übrigbleibt. Manchmal komme ich nicht einmal bis dort und starre einfach auf das, was aus meinem Mund und Hintern herausläuft und lyrisch auf die suprematistischen Bodenfliesen tropft. Weiß auf weiß? Jetzt nicht mehr.

Braun ist das neue weiß.

Hier haben wir eine Kreuzung von entgegengesetzten Tätigkeiten und Faktoren: einerseits ein stetiger und sturer Strom von verrückten Bildern, andererseits eine Verklumpung von Inhalten, die unmittelbar konstipatorisch als Praxis (Malen/Scheißen) und Theorie (wie man Nahrung in den Magen zu kriegen ist) verschmolzen werden kann, zwischen Repräsentation (wie man bequem auf dem Klo sitzt) und Relexion (was man auf dem Klo lesen soll:

ARTBOR’UM oder FLUSH ART). Aus der Strukturierung unterschiedlicher Körper und dem Erfahrungsprozess mit gegenübergestellten und entgegengesetzten Formen taucht ein neues Wesen auf – hoffentlich etwas Künstlerisches -, innerhalb dessen ich mich entfalte und formuliere und alles von vorn beginne. Das Paradoxe an diesem ‚künstlerischen‘ Körper aber ist seine Abhängigkeit von räumlichen Formationen sowohl in der Formulierung wie beim Lesen.

Meine Methode besteht in erster Linie aus einer Vorführung der Überkreuzung dieser Faktoren als einer grundlegenden dialektischen Bedingung. Sie oszillieren von polar zu bipolar, vom Mund zum After. Beide sind miteinander verbunden, sogar voneinander abhängig bei dem, was die Erzeugung künstlerischer Verhältnisse genannt werden könnte. Das hört sich für mich wie Scheiße in der Dose an. Man kann also sehen, dass das Malen in meinem Werk eine deutlich konzeptuelle Verwendung findet. Das gilt für das Malen ebenso wie für den Durchfall, der Bezüge textlicher (Inhalt) und visueller (taktiler/haptischer) Natur mit persönlichen und autonomen bastardisiert.

Das Expressive spielt hier eine nicht unbedeutende Rolle, zum Teil durch seine traditionelle Stellung als Zeichen der Subjektivität, bei der furzende Pinselstriche das „innerliche“ und „seelenvolle“ ausdrücken. Sehen Sie sich Pollock an, der als Verkörperung des expressiven, subjektiven Künstlers erscheint. Pollock „tropft“ seine Bilder, eine letzten Endes subjektive Form, die in Wirklichkeit dafür sorgt, dass das Subjektive verschwindet.

Junge, ist das erleichternd! Diese lästige oder eher angeberische Art der Selbstverwöhnung kann mit der Freisetzung von ästhetischem Genuss verglichen werden. Das kommt Kants Idee vom ästhetischen Genuss nahe: es befreit ihn von jeder moralischen Rechtfertigung, aber auch von der „sinnlichen“ Befriedigung von Bedürfnissen.

Ja, lassen wir alles raus. Kunst braucht keine Rechtfertigung und „Künstler sollten nicht Strohmänner ihrer Ideen sein“. Ästhetischer Genuss beruht auf der Freude an dem, was sich nicht erkennen oder benennen lässt. Eine solche Freude erwächst nicht aus der unmittelbaren Gegenüberstellung mit einem Gegenstand, durch unsere rationale oder sinnliche Untersuchung seiner Eigenschaften, sondern in unserem reflektiven Rekurs oder unserer Rückkehr zum Prozess der Gegenstandserfahrung. Mit anderen Worten, sie ist die Rückkehr des Dings als Ding an sich. Wie bei dem Ding, dass man hinunterzuspälen versucht, das aber immer wieder oben schwimmt und ruft, „Ich kehre zurück!“ Na, ist das nicht Malen?

Manuel Ocampo



Download Biography as PDF

1965 geboren in Quezon  City (Philippines)

1984 University of the Philippines, Quezon City (RP)
1985 California State University, Bakersfield (USA)

Ausstellungen und Projekte (2000-2013, Auswahl)

2013
Monument to the Pathetic Sublime, SOD Space of Drawings, Kopenhagen (DK) (solo)
Peinture Exreme, Galerie Laroche/Joncas, Montreal (CAN)
Perverse Sublime of the Toxic, Nosbaum & Reding, Luxembourg (solo)
Dieu Est Un Fimeur De Havanes, MUDAM - Musée d´Art Moderne Grand-Duc Jean, Luxembourg
On Painting, Centro Atlántinco de Arte Moderno (CAAM), Las Palmas (ES)
Mais in deinem Früchtekorb, Galerie Zink, Berlin (DE)

2012
Finale Art File, Makati City, Manila (RP) (solo)
Tyler Rollins Fine Art, New York (USA) (solo)
Da solidão do lugar a um horizonte de fugas / From the solitude of place  to a vanishing horizon - Berardo Museum - Collection of Modern and  Contemporary Art, Lisbon
7th Asia Pacific Triennial Of Contemporary Art (apt7) - Asia Pacific Triennial of Contemporary Art, Brisbane, QLD
Transcultural narrations: paperworks - BUG - Bangkok University Gallery, Bangkok     Flying - Künstlerhaus Bethanien, Berlin
Manuel Ocampo / Paul Pretzer / Joachim Weischer - Galerie Conrads, Dusseldorf
Narren. Künstler. Heilige - Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn
Strip 2012 - Silverlens Gallery, Makati City
Sod Group Show - SOD Space of Drawings, Copenhagen
Alter Egos - Tyler Rollins Fine Art, New York City, NY
Afraid To Be Good - LOSTprojects, Quezon City

2011
The Ghost Poop of Painting, Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz (Austria) (solo)
The Ghost Poop of Painting, philara - Sammlung zeitgenössischer Kunst, Düsseldorf (Germany)(solo) Contemporary Psychology and The Theoretical Steroid Defiled Modernist   Chicken, SOD Space of Drawings, Marie Kirkegaard, Copenhagen (Denmark) (solo)
Rebels of abstraction and the ghost poo of painting, adhoc galleria, Vigo (Spain) (solo)
KalimanRawlins Art Gallery, Melbourne (Australia) (solo)
Terrible Beauty: Art, Crisis, Change & The Office of Non-Compliance, Dublin Contemporary, Dublin (Ireland) (solo)
Hirschfaktor - Die Kunst des Zitierens - ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, Karlsruhe
Trans–figuration - Tyler Rollins Fine Art, New York City, NY
El Guernica: Deconstrucción - Ayala Museum, Makati City
The Possessed - Charlie Smith London, London (England)
2010
An exhibition of collaborations with 7 imaginary friends showing a  variety of painterly mishaps flaunted as majestic embellishments, Nosbaum & Reding - Art Contemporain, Luxemburg (L) (solo)
An Arcane Recipe of Cannibalized Ingredients Taken from the Reliquaries of Some Profane Illumination, Tyler Rollins Fine Art, New York City/New York (USA) (solo)
Painting With a Hammer To Nail The Crotch Of Civilization - Manila Contemporary, Makati City
Stick with the enemy - Mo Space, Taguig City
She Awoke With A Jerk - Andrea Rosen Gallery, New York City, NY
Another Nude Show - Robert Berman Gallery, Santa Monica, CA
Le Meilleur des Mondes - MUDAM - Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean,  Luxembourg     Celebration - Collection du Frac Auvergne - FRAC -  Auvergne, Clermont Ferrand
Selected works from the backroom - Mag:net Gallery - Ayala Avenue, Makati City

2009
Monuments to the Institutional Critique of Myself, Pablo Gallery, Manila (RP) (solo)
Painting as an Attempt to Memorialize Reality’s Triumph over Art, Galerie Nathalie Obadia, Brüssel (B) (solo)
Papier, Galerie Baerbel Graesslin, Frankfurt (D)(solo)
Manuel Ocampo, Bongoût, Berlin (D) (solo)
The making of Art, Schirn Kunsthalle Frankfurt (D)

2008
The tragicomic Gravitational Destiny of the Conscious Stricken World..., Uplands Gallery, Melbourne (AUS) (solo)
Guided by Sausage, Galeria Tomas March, Valenzia (ES) (solo)
Problems with style, Green Papaya Art Project, Manila (RP)
In the context of: La dégelée Rabelais, organisiert von FRAC Languedoc-Roussillon, (F)
Morts de rire, La Panacée, Montpellier (F)
Et tout pour les mange-tripes!, Musée Pierre André Benoit & Espace de Rochebelle, Alès (F)
A Thélème, Priape s’est cogné…,CIRCA - La Chartreuse, Villeneuve-les-Avignon (F)

2007
Guided by Sausage, Le (9) bis, Saint-Etienne (F) (solo)
Kitsch Recovery Program, Lizabeth Oliveria Gallery, Los Angeles/Kalifornien (USA) (solo)
Rooms, Conversations, Frac Île-de-France, Le Plateau, Paris (F)
L’Explosition, Frac Languedoc-Roussillon, Montpellier (F)
Die Kunst zu sammeln (The art of collecting), Museum Kunst Palast, Duesseldorf (D)

2006
En El Cielo No Hay Cerveza sin Alcohol, mit Curro Gonzalez, Galeria Adhoc, Vigo (ES) (solo)
Down with Reality, Galerie Jesco von Puttkamer, Berlin (D) (solo)
Kitsch Recovery Program: An Image is Just a Pathetic Attempt to do Justice to a Picture, Nosbaum & Reding - Art Contemporain, Luxembourg (L) (solo)
No System Can Give the Masses the Proper Social Graces, mit Damien Deroubaix, Haptic in La Maison Rouge, Paris (F) (solo)
Manuel Ocampo, Venetia Kapernekas Gallery, New York City/New York (USA) (solo)
Five Stories High, Track 16 Gallery, Santa Monica/CA (USA)
Painting Codes, Galeria Comunale d’Arte Contemporanea di Monfalcone (I)
Goetz meets Falckenberg, Phoenix Kulturstiftung, Hamburg (D)

2005
The Holocaustic Spackle in the Murals of the Quixotic Inseminators, Lizabeth Oliveria Gallery, Los Angeles/Kalifornien (USA) (solo)
Bastards of Misrepresentation, Casa Asia, Barcelona (ES) (solo)
Manuel Ocampo, New Works, LAC, Lieu d’Art Contemporain, Sigean (F) (solo)

2004
Bastards, Galerie Baerbel Graesslin, Frankfurt (D) (solo)
Miserable Intentions, with Gaston Damag, Nosbaum & Reding - Art Contemporain, Luxembourg (L)(solo)
BIACS 1, First International Biennal of Contemporary Art of Seville, kuratiert von Harald Szeemann, La Alegria de mi Sueños, Centro Andaluz de Arte Contemporanea, Sevilla (ES)

2003
Manuel Ocampo, Sprüth Magers Projekte, München (DE) (solo)
Wunderkammer, Gesellschaft für Gegenwartskunst, Augsburg (D) (solo)

End of the Start, Yerba Buena Center for the Arts, San Franzisko (USA)

2002
An All Out Attempt at Transcendence, Galerie Baerbel Graesslin, Frankfurt (D) (solo)
Comprehensible Only to a Few Initiates, Galerie Nathalie Obadia, Paris (F) (solo)
The Inadequacy of the Struggle Against the Inadequacy of the Struggle, Gallery Paule Anglim, San Francisco/Kalifornien (USA) (solo)
Extranjeros: Los Otros Artistas Españoles, Museo de Arte Contemporaneo Esteban Vicente, Segovia (ES)
Disarming Parables: Collection Highlights, San Jose Museum of Art, San Jose/CA (USA)

2001
Presenting the Undisclosed System of References in the Loophole of Misunderstanding, Galeria OMR, Mexico City (MEX) (solo)
Free Aesthetic Pleasure Now!, Babilonia 1808, Berkeley/Kalifornien(USA) (solo)
La Biennale di Venezia, 49. Esposizione Internazionale, Plateau of Mankind Venice (I)
Berlin Biennale II, Berlin (D)
Vom Eindruck zum Ausdruck (From impression to expression) : Graesslin Collection, Deichtorhallen, Hamburg (D)
Contemporary Devotion, San Jose Museum of Art, San Jose/CA (USA)
Circos globulos: Selected works from the Babilonia Wilner Collection, Babilonia 1808, Berkeley/CA (USA)
2000
Those Long Dormant Pimples of Inattention Counterattacking the Hyper-Convoluted Dramas of the Gaze, Sprüth Magers Projekte, München, Galerie Baerbel Grasslin, Frankfurt (D)
Those Long Dormant Pimples of Inattention Meandering through the  Cranium Arcade of Pitiless Logic Swastikating between Love and Hate, Jack Shainman  Gallery, New York (USA)
Made in California: Art, Image, and Identity. 1900-2000, Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles (USA)
Faith: The Impact of Judeo-Christian Religion on Art at the Millenium, The Aldrich Museum, Ridgefield/CA (USA)
5th Biennale d’Art Contemporain de Lyon, Partage d’Exotismes, Lyon (F)
The Sensational Line, Museum of Contemporary Art, Denver (USA)