MARKUS DRESSLER

„Furry Guggenheim Brunch“ – Malerei als Flug in die Freiheit 

Markus Dressler nützt die Imaginationskraft von Fantasiewelten, um bekannte Ordnungssysteme von Zeit, Raum und Normalität zu relativieren. So lautet die Quintessenz einer These, die Jeanette Pacher in ihrem Text zu seiner Ausstellung „French, music and washing extra“ (2009) pointiert formulierte. Durch das  Zitat „French, music and washing extra“ aus Lewis Carolls „Alice im Wunderland“ legt Markus Dressler eine Spur dahin, dass mit den Mitteln des Absurden, Ambivalenten oder Unheimlichen sich Realität oft realistischer fassen lässt, als durch direkte Spiegelungen oder Hyperrealitäten. Diesen Hang zum Realitätstransfer setzt er durch Titel wie „Tofubutchers’ Soft Purring Universe“ oder „Tigerland“ in Beziehung zu seiner Malerei, Zeichnung und Videoproduktion Gegenüber der Allegorieschraube von Diskursgefechten verkeilt Markus Dressler in seiner Bildwelt einen  Pop-Surrealismus mit verschiedenen Realitätsebenen.

Während uns in dem gemalten Bild „Soft Purring Four“ (2010) Katzen durch ihren Hypnoseblick in den Bann ziehen, holt Markus Dressler in den Zeichnungen „Safe Some Pigs Today, und „Flug in die Freiheit“ (2010) zum Befreiungsschlag von Schweinen gegenüber einer nicht artgerechten Tierhaltung aus. Die Komplexität der physisch kraftvoll wirkenden gemalten Bilder und Tuschezeichnungen lebt aus dem Ineinandergreifen von architektonischen, vegetabilen und kreatürlichen Momenten. Sinnvoll ist es, die aufwendige Konzeption von Markus Dresslers ausgeklügelten architektonischen Konstruktionen sich in Bildern wie „Furry Guggenheim Brunch“ (2010), „Fallingwater Dandelions“ (2010) oder „Golden Fallingwater“ (2006) näher anzuschauen. In Anspielung auf Meret Oppenheims Kultobjekt „Pelztasse“ (1936)  ummantelt Markus Dressler in seinem Bild „Furry Guggenheim Brunch“  (2010) das von Frank Llyod Wright erbaute Guggenheim Museum durch prägnante Pinselstriche mit einer pelzigen Oberfläche. Das Frühstück vor Ort wird herumstreunenden Katzen serviert. Markus Dresslers Passion für Katzen zeigt sich darin, dass er sie zu den ProtagonstInnen seines Universums macht. In seinen Tuschzeichnungen nützt Dressler die ikonische Abstraktion des Comics und eröffnet so Möglichkeiten zu erzählerischen Nuancierungen. Zum Ausdruck gelangt ein Widerstand gegenüber einer kapitalistischen Kolonialisierung unserer Lebenswelten. Die Katzen in Markus Dresslers Bildern existieren autonom, als eigenständige Wesen und nicht als Verkörperung eines Selbstbildes. Dennoch kann man/Frau sich ihrer emphatischen Präsenz nicht entziehen und trifft gleichzeitig auf einen konternden Humor, der ohne Exaltierung auskommt.

In der Malerei und in den Zeichnungen von Markus Dressler äußern sich eine Emanzipation gegenüber jeder Form der Repräsentation und eine kennerhafte Ausdifferenzierung. Wie Jörg Heiser in „Plötzlich diese Übersicht. Was gute zeitgenössische Kunst ausmacht“ (2007) argumentierte, heißt interessante Malerei zu produzieren, sich der geschichtlichen Amnesie und visuelle Entropie des digitalen Bildpools zu stellen. Selbstvertrauen und Skeptizismus, Empathie und Parodie heben sich in den Bildern von Markus Dressler nicht gegenseitig auf, sondern bringen jene Reibungen hervorm unter der gegenwartsrelevante Malerei entsteht. Das amüsant Hübsche wird zur konzeptuellen Camouflage malerischer Intelligenz.  Es tritt eine eloquente Auseinandersetzung mit Techniken des Farbauftrags, der Komposition und Räumlichkeitseffekten ein durch welche die Bilder eine Eigensinnigkeit abstrahlen.

Als Aktionsbild gestaltet sich die Malerei von Markus Dressler zu einer gelungenen Parodie gegenüber der Gefahr einer totalitären Ästhetik und funktioniert trotz Präzision in der malerische Rhetorik performativ  mit expressiver Geste frei von Pathos. Dennoch investiert Markus Dressler eine spezifische affektive Aufladung in das Bildmotiv und bringt dadurch eine rituelle Einfühlung in den Malakt ein, die darauf abzielt, für eine radikale Freiheit in der Entscheidung für oder gegen mögliche Bildmotive einzutreten. Damit wirft Markus Dressler die Frage auf: Wie hängen Handlungen und Entscheidungen, die ein gemaltes Bild durchläuft, mit Handlungen und Entscheidungen zusammen, die den Mensch als körperliches und soziales Wesen betreffen. In dieser Malerei wird demonstrativ gegenüber jedem Zugeständnis an eine moderne Distanzierung gekontert. Der abgründigen Eleganz der Bauten von Frank Lloyd Wright als Ikonen der Modernen Architektur in den Bildern steht die ungreifbare Kreatürlichkeit der Katzenwesen gegenüber, die durch Kommentare wie „soft purring universe“ – sanft schnurrendes Universum – ergänzt werden. Eine Offenheit gegenüber komik- und slapstickartigen Situationen als Kontra zu einem romantischen Konzeptualismus zieht sich durch das Werk von Markus Dressler. Seine  Malerei und Zeichnungen halten so eine Spannung in der Sprache von Konzeptualität und malerischer Performance. Gleichzeitig gelingt es ihm dadurch, jene effektive Zuspitzung zu erzielen, durch die politische ambitionierte Zwischentöne aufblitzen, die Tierschutz, Artenvielfalt und einen Beschützerinstinkt gegenüber dem Kreatürlichen betreffen.

Jede malerische Praxis, hat sich mit der essenzialtischen Aufladung der Malerei und deren Mystifizierungen  zu beschäftigen, die mit dem Medium der Malerei stets Authentizität und Substanz in Zusammenhang bringen. Es ist klar, dass Malerei mehr als die materielle Summe von Farbe Leinwand und Keilrahmen ist und als Medium gesellschaftspolitischer Reflexionen sich längst ideologischer Vereinnahmungen zu entziehen versteht. Wie stark die Auseinandersetzung durch Malerei immer auch kulturelle identifikatorische Fragestellungen aufwirft, thematisiert Markus Dressler durch Anspielungen auf Kleopatra und Ägypten als Wiege der Menschheit. Im Spannungsfeld einer diskursiv aufgeladenen Praxis werden durch die Malerei heute gegenüber der medialen Bildkultur mögliche politische Gegenreaktionen artikuliert. Wie der Kunsttheortiker Helmut Draxler unlängst in seinem Text „Malerei als Dispositiv“ (2010) durch zwölf Thesen proklamierte, begleitet die Malerei als ursprüngliches Leitmedium der Autonomisierung und Substanzialisierung von Kunst im Sinne eines ästhetisch-existenziellen Anspruchs ästhetische Auseinandersetzungen auch dort, wo sie gar nicht mehr zur Diskussion steht, nämlich in der künstlerischen Methodik. Markus Dressler löst sich durch die fantastische Überspielung von einer Malerei der Repräsentation als modellhafte Verkörperung von Wirklichkeit und produziert insofern selbstbewußte Bilder, die einen speziellen Subjektivierungsmodus des Künstlers widerspiegeln und gleichzeitig als Denkmodell gesellschaftspolitischer Inhalte funktionieren. Aus diesem Geflecht von aufeinander bezogenen Verhältnisformen bezieht sich Malerei auf Erfahrungen und Reflexionen, deren symbolischen und sozialen Kodierungen sowohl die Produktionen per se als auch die Reflexion darüber betreffen, wie der Kunsttheoretiker Yves Alain Bois in seiner Publikation „Painting as Model“ (1990) es forderte. In ihrer essenzialistischen Aufladung löst sich so die Malerei vom Pathos ihrer geschichtlichen Mythen und Notwendigkeiten. Durch das unmittelbare Fortleben als mediale Tableaus in den Bildmontagen von Markus Dressler Videoproduktionen bilden sich Denkformen, die aus der Malerei hervorgegangen den ästhetischen und politischen Diskurs in neue Verhältnisformen bringt.

Ursula Maria Probst



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1969 geboren in Krems
2001–2007 Akademie der Bildenden Künste Wien

Ausstellungen, Projekte (2002-2013, Auswahl)

2014
FUR FUR AWAY, Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz (A) (solo)

2013
Furry Guggenheim, Zeichnung Wien die 4te, Galerie Cajetan Gril, Wien (A) (solo)
AAAAR, Charity, Akademie der Bildenden Künste, Wien (A)
FESA 13, Animationsfilmfestival, Belgrad (SRB)

2012
Tofubutchers Soundspace, Reverb Nation (www)

2011
Tschip Tschip Tschip, Arsenal Wien (A)
Platte 10, Wien (A)

2010
Inversion of the Ideal, Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz (A)
Und immer- fehlt mir etwas, und das quält mich, präsentiert von der Kunstgruppe Kunstverein Köln, Salon Schmitz, Cologne (D)

2009
French, music, and washing extra, Startgalerie, MUSA, Vienna (A) (solo)

2008
7//7, MNAC, National Museum of Contemporary Art, Bukarest (RU)
Mondmuseum, White Club, Salzburg (A)
24 h Comiczeichnen, Brick 5, Vienna (A)

2007
Autosafari, Akademie der Bildenden Künste, Vienna (A)
Safari, Ausstellungsraum Swingr, Wien (A)
Balkanima, Kurzfilmfestival für Animation, Belgrad (SRB)
International one day animation festival, Filmcasino, Vienna (A)
Film:riss 07, Salzburg (A)
International short film festival, Byala Reka (BG)

2006
...die im Dunkeln sieht man nicht..., curated by Jeanette Pacher, Kunsthalle Exnergasse, Vienna (A)
Platte 04, 05, 06, 07, 08, Vienna (A)
Die lange Nacht des Kurzfilms, Topkino, Vienna (A)

2005
Raum und Zeit, Siemens artLab, Vienna (A)
Junger Sommer, Galerie Exner, Vienna (A)

2004
Zeitgenössische Malerei, Galerie Sauruck, Vienna (A)

2003
Kaiserschmarren, Black Dragon Society, Los Angeles/California (USA)
Rasiert aus Rücksicht, Raumacht, Vienna (A) (solo)
Tendenzen, Positionen gegenständlicher Kunst, Galerie Exner, Vienna (A)
Die blaue Donau und das Schwarze Meer, Literaturmuseum, Odessa (UA)
Schlafzone, sleeping zone, please don´t disturb, project in public space, Vienna (A)

2002
Real 2, Belgrad (SRB)
Der kommunikative Wert der Farben und ihre Verkochbarkeit, Städelschule, Frankfurt (D)
Tofubutchers/Radio documenta, Frankfurt (D)