WOLFGANG BECKSTEINER
concrete, black and more

Eine Prozessbeschreibung

Die Arbeiten von Wolfgang Becksteiner beruhen auf dem Kreislauf des Produktionsprozesses. Das Material Beton, eine Addition von Komponenten, die exakt aufeinander abgestimmt sein müssen, ist oftmals der Ausgangspunkt einer Plastik. Die Formbarkeit und der hohe Widerstand reizen den Künstler. Zementleim als Matrix umgibt die Gesteinskörnung, das Schütteln führt zur Verdichtung. Flächen addieren sich zu Körpern, werden glattgeschliffen oder aufgerissen, die Brüche schwarz abgesetzt. Diese Körper bilden zuweilen die Basis eines Objektes, können sich aber auch in die Höhe auswachsen. Die Bewehrung dient der Verstärkung, emanzipiert sich gleichzeitig aus dem Fundament und steigt als Linie in den Raum. Realitätspunkte übereinandergelegt verdichten sich zu Linienkörpern, deren Anfang und Ende im Unbekannten liegen. Die Form, die Struktur, des Schwarzen reizt unser Auge/unser Denken. Die übereinander gelegten Schichten lassen im multidimensionalen Kontext Realität entstehen. Die Anlehnung, das Zeichen an der Wand oder im Raum – sie leiten unseren Blick, sie lassen die Gedanken schweifen. Manchmal werden wir überrascht von Farbe – eine Irritation, die die Dimension des schwarzen Striches erweitert. Die Bewehrung kann aber auch zum Utensil der Struktur werden. Sie hinterlässt eine Spur auf einem grafischen Grund, ihre Abwesenheit wird sichtbar. Die Spuren erzählen zwei Geschichten einer Fläche – transformieren sich in diesem Moment zum Räumlichen. Die Erzählung schreibt sich über das Werk/in das Werk von Wolfgang Becksteiner. Die Sprache als Geste seiner Gedanken, ein zentraler Aspekt, manifestiert sich in den Titeln seiner Arbeiten. Sie führen uns in unser Denken, in unser Fühlen.

Text: Astrid Becksteiner-Rasche